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Meine Meinung: Qualitätsstandards ja – Rückläufer nein! Die erste Verhandlungsrunde

20.01.2010 – Herr Dr. Otto hat eine schwere Aufgabe. Zu unüberbrückbar scheinen die Positionen der Initiative und der BSB zu sein. Dabei ist eigentlich offensichtlich, wie ein tragfähiger Kompromiss aussehen müsste. Herr Dr. Otto hat mit seinem Vorschlag, die Einführung der Primarschule an inhaltliche Standards zu koppeln, den Weg gewiesen: Es muss zuerst darum gehen, die Unterrichtsqualität zu verbessern! Davon profitieren die Kinder am meisten, die in ihren Elternhäusern oder in ihrem sozialen Umfeld nicht die wünschenswerte Unterstützung erfahren. Die anderen kommen – ganz vereinfacht gesagt - ohnehin (besser) zu recht. Denkt man den Vorschlag zu Ende, muss man den Qualitätsverbesserungen, also den Inhalten, die Priorität vor den Strukturreformen einräumen. Das ist die Position des DLH!
Seit 50 Jahren wird an den Schulstrukturen gebastelt und immer ging es „kompromisslos“ nach dem Prinzip: „Wat den Een sin Uhl, is den Annern sin Nachtigall“. Herausgekommen ist bei den Schulkämpfen nicht viel Gescheites, wie z. B. die LAU-Untersuchungen bewiesen haben.
Und nun geht es wieder um Himmel und Hölle und den einzig wahren Weg mit dem Welt/Schulkind in der Mitten? Da kann doch etwas nicht richtig sein!
Auch von der flächendeckenden Einführung der Primarschule für alle müsste man sich verabschieden: Die BSB und die Schulkonferenz entscheiden, ob eine Schule die Voraussetzungen besitzt, Primarschule zu werden. Dann wäre die Kuh vom Eis. Denn gegen längeres gemeinsames Lernen ist dann nichts einzuwenden, wenn es geeignet ist, benachteiligten Kindern zu helfen und den anderen nicht zu schaden.
Einem Angebot der ersten Verhandlungsrunde – kam es von Herrn Kerstan von der GAL? - muss jedoch in aller Deutlichkeit widersprochen werden:
Wenn man den Eltern nach Klasse 6 ein klein wenig Mitbestimmung zurückgeben will und den Kindern, die nicht die Berechtigung für das Gymnasium erhalten haben, dort ein Probejahr gewähren will, dann ist das pädagogisch und schulpolitisch nicht zu verantworten:
 Schulpolitisch, weil es die Stadtteilschule ganz offensichtlich zur neuen Restschule und eben nicht zum gleichberechtigten Partner des Gymnasiums macht.
 Pädagogisch, weil die Kinder dem Stress eines Experimentes aussetzt. Und wer unter Dauerstress lernen soll, der lernt schlechter. Und wo bleibt der soziale Ausgleich? Der bildungspolitische Sprecher der SPD, Herr Rabe, hat doch nachgewiesen, dass der sozio-kulturelle Hintergrund des Kindes entscheidend für die Gymnasialempfehlung ist. Also ist die Abschaffung des Elternwahlrechtes erst nach Klasse 4, jetzt auch nach Klasse 6 kontraproduktiv und wird die Abhängigkeit des Schulerfolges von der Bildungsnähe des Elternhauses nicht verringern. (Mit ein wenig Polemik: Das kommt dabei heraus, wenn man die Pädagogik den Politikern überlässt.)
Es wäre schön, wenn Herr Dr. Otto ein Beratungsgremium aus Lehrerinnen und Lehrern zu Rate zöge. Dabei wäre es gar nicht so entscheidend, ob die Kollegen für oder gegen die Primarschule sind. Sie würden aber die Konsequenzen dieser Reform für die Eltern, Kinder und Schulen und die hektische Umsetzung (Beispiel: die neuen Lehrpläne) deutlich machen, auf die vielen ungelösten Reformprobleme hinweisen, die wirklichen Probleme in den Schulen benennen und auf diese Weise das Mögliche und Machbare aufzeigen.

Dieter Semprich, 19.1.10


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