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Das Volksbegehren gegen die geplante Primarschulreform

28.10.2009 – Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Das Volksbegehren gegen die geplante Primarschulreform beginnt am 28. Oktober 2009. Der Vorstand des DLH bittet Sie, das Volksbegehren durch Ihre Unterschrift zu unterstützen und in Ihrem persönlichen Umfeld für das Volksbegehren zu werben, um dadurch weitere Unterschriften zu erlangen.
Der Vorstand des DLH ist nach sorgfältiger Abwägung der Argumente für und gegen diese Reform weiterhin der Ansicht, dass die Primarschulreform nicht zum Wohle des Hamburger Schulsystems ist. Die Entwicklungen der letzten Wochen, insbesondere die eilige Verabschiedung des neuen Schulgesetzes und die vielen, weiterhin ungelösten Sachfragen, haben diese Position eher bestärkt.
Diese offenen Grundsatz- und Sachfragen seien noch einmal aufgelistet:
1. Ca. 3000 Lehrer (über 20%) werden pendeln müssen, um die Primarschulen z. B. mit der 2. Fremdsprache zu versorgen. Tausende von Unterrichtsstunden gehen verloren und die Kollegen, die ohnehin schon an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit sind, sind, werden noch einmal zusätzlich belastet. Die pädagogische Qualität sinkt, wenn die Lehrer von einer Schule zu anderen hetzen.
2. Insbesondere viele Kolleginnen und Kollegen der Gymnasien, aber nicht nur diese, müssen und für die außerordentlich heterogenen Primarschulklassen deutlich mehr Vorbereitungszeit investieren als bisher, so dass die Belastung noch einmal wächst.
3. Die Gymnasien verkürzen auf das Abitur nach 12 Jahren mit einem Doppeljahrgang an Abiturienten im nächsten Schuljahr und müssen die Reform der Oberstufe verkraften. Jetzt sollen sie auch noch die Klassen 5 und 6 verlieren.
4. Hamburg wäre das einzige Bundesland mit sechsjähriger Primarschule, gewissermaßen eine Insel. Das hätte fatale, oft absurde Konsequenzen für Familien, die nach oder von Hamburg umziehen.
5. Das im allseitigen Konsens über zwei Jahre erarbeitete Zwei-Säulen-Modell ab Klasse 5 wurde verworfen. Stattdessen droht dem Hamburger Schulsystem nun der Reforminfarkt.
6. Das Elternwahlrecht wurde abgeschafft, damit sich keiner der alleinigen Steuerung durch die Schule entziehen kann. Vernünftig wäre eine Regelung mit klaren Leistungsstandards, die beiden Seiten Rechte einräumt.
7. Die Erstklässler müssen lange Wege in Kauf nehmen, weil nicht überall Platz für die Primarschule ist: Nach Klasse 3 werden die Schülerinnen und Schüler an über hundert Primarschulen zu einem zweiten oder gar dritten Standort wechseln müssen. Diese Unruhe brauchen unsere KInder gerade nicht.
8. Die Organisation, wie man den Beginn der zweiten Fremdsprache von den weiterführenden Schulen in die 5. Klasse der Primarschule verlagern will, ist weiter ungelöst.
9. Der drastische Lehrermangel bis 2015 verbietet eigentlich eine solche Reform mit dem entsprechenden Bedarf an zusätzlichen Planstellen. Bisher wurde trotz vorliegender Studien (?Klemm-Studie?) diese Tatsache einfach ignoriert.
10. Die Finanzen für diese Reform sind nicht vorhanden. Die veranschlagten 190 Mio. sind völlig unzureichend: Allein konsequent durchgeführte, kleinere Klassenfrequenzen ganz ohne sonstige Reform würden diesen Betrag erfordern und der Sanierungsbedarf ? ohne Zubauten - an Hamburger Schulen beträgt allein schon 2 Milliarden Euro.
11. Das Geld für diese Strukturreform fehlt dann für die Inhalte, für die es wirklich gebraucht wird, nämlich für die Wiedereinführung der Altersentlastung, für kleinere Klassen, die nicht nur wie bisher auf dem Papier stehen, für eine konsequente Frühförderung, für Sozialpädagogen an den Schulen, für viel mehr Ganztagsschulen mit Hausaufgabenbetreuung und für intensivere Berufsvorbereitung.



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