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Ausfahrt der Ruheständler nach Redefin und LudwigslustAusfahrt der Ruheständler nach Redefin und Ludwigslust

02.06.2009 – Die diesjährige Ausfahrt der Ruheständler des DL-H führte am 27. Mai bei sonnigem Wetter nach Mecklenburg.
Erstes Ziel war das Landgestüt Redefin, auf dem uns Herr Meyer, ein ehemaliger Berufskollege, begrüßte und uns in launiger Form sachkundig durch das Gelände führte. Obwohl er sein ursprüngliches Ziel, Pferdearzt zu werden, seinerzeit nicht verwirklichen konnte, wusste er uns sehr viele Details über Pferdezucht und Pferdepflege mitzuteilen.
Zunächst schilderte er jedoch die Eigenheiten des Gestütgeländes, einer weiten Modderfläche, in deren Mitte sich ein Sandberg befand, der lediglich über einen aufgeschütteten Bohlendamm zugänglich war. Sein Zugang von der Fernhandelsstraße, der heutigen B 5, wurde von dem Wachhaus ‚Altona’ beschützt. Denn auf der Sandinsel hatte der Ritter Pentz eine Raubritterburg errichtet. Nahte ein Kaufmannszug, meldeten die Fischer von der ‚Paßop-Brücke’ dessen Kommen, und die Raubritter konnten ihn auf den schmalen Dammwegen in dem sumpfigen Gebiet leicht überfallen. Erst 1637 konnte die Burg geschleift werden. Die Familie Pentz wurde zu Gutsbesitzern, die seit 1710 auch Pferdezucht betrieben. Das Feuchtgebiet wurde zu einem Park mit heute 450 Jahre alten Eichen und Buchen.
1812 richtete der Mecklenburger Herzog Friedrich Franz I. ein Landgestüt ein, das Gutshaus wurde zum Sitz des Landesstallmeisters. Die Zucht von Remontepferden für Kriegzwecke, ein Volkseigenes Gestüt, ein Treuhand-Gestüt und seit 1989 das Landgestüt lösten einander ab. Betrieb man früher den Pferdeexport über den Bahnhof Pritzier, so arbeitet man heute vorwiegend als Deckstation. Das Landgestüt bedient 130 externe Deckstationen und einen Spermienversand. Zusätzlich werden Freizeitaktivitäten angeboten: Reitunterricht, Boxen zum Einstellen privater Reitpferde; die Stuterei im Fachwerkhaus wurde zum Hotel ausgebaut. Die Reithalle mit ihrer klassizistischen Fassade bietet 1.000 Sitzplätze für Konzerte; 2.800 überdachte Tribünenplätze am Paradeplatz ermöglichen das Zuschauen bei den herbstlichen Hengstparaden.
Zur Erholung verwöhnte uns Frau Strasser im ‚Kutschstall’ mit einem opulenten Drei-Gänge- Menu.
Danach besuchten wir die Ludwigsluster Stadtkirche mit ihrem klassizistischen Portal und ihrer barocken Innenausstattung. Zunächst beeindruckte uns das von Johann Dietrich Findorff und Johann Heinrich Suhrlandt auf Ludwigsluster Carton gestaltete Gemälde der Verkündigung im Altarraum. Ihm gegenüber befindet sich der im Norden gelegene Herzogsstuhl mit seinen vier Geschossen für das Herzogspaar, die Hofdamen, die Kavaliere und ganz oben für die Hofkapelle. Aus Findlingen geschnittene Granitplatten bilden den Sarkophag für den Bauherren der Kirche, Herzog Friedrich den Frommen; das Epitaph an der Westwand erinnert an den Ritter Godtschalk von Klenow, den Vorbesitzer des Geländes, auf dem Prinz Christian Ludwig 1754 sein Jagdschloss errichtete hatte.
Über den Ludwigsburger Kanal, der zur Versorgung der Wasserspiele, wie der Großen Kaskade, gegraben wurde, gelangten wir zum Schloss, in dem Herr Hoyer durch seine plastischen Schilderungen in den einzelnen Räumen das Leben und Wirken seiner Bewohner lebendig werden ließ. Am prächtigsten hatte der Hofskülpteur Johann Joachim Busch mit Hilfe des Ludwigburger Cartons den Goldenen Saal ausgestaltet.
Mit dem Blick in den von Peter Joseph Lenné gestalteten weiträumigen Schlossgarten genossen wir die ortstypische Sanddorntorte. Bei der Fahrt über die Schlossstraße, der zentralen Achse der Barockstadt, blickten wir auf die ehemalige Carton-Fabrique, das Brauereigebäude, die Hof-Conditorey, die eingeschossigen Soldatenhäuser in der Nummerstraße, auf das Grün- dungsgebäude des Hinstorff-Verlages und die Plastik der preußischen Prinzessin Alexandrine zu Pferde, der Frau von Großherzog Paul Friedrich.
Eine Lesung von Texten des Ludwigsluster Dichters Rudolf Tarnow beschloss die Ausfahrt.

Harald Brandes



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