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Presseerklärung des DLH vom 14.04.2009

16.04.2009 – Pendeln als Dauerzustand - Für Lehrer und Schüler unerträglich!

Das Pendeln als Dauerzustand für unsere Kolleginnen und Kollegen ist eine weitere Folge der geplanten Einführung der Primarschule.
Eine einfache Rechnung am Beispiel der Gymnasiallehrerinnen und -lehrer (auch die Lehrkräfte der Stadtteilschule sind natürlich betroffen) macht das deutlich:
Auf der Basis der Anmeldezahlen der letzten drei Jahre waren Lehrerinnen und Lehrer (nach den Anmeldezahlen der BSB) für jeweils 6700 Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen an den Gymnasien tätig.
Bei einer durchschnittlichen Klassengröße von 27 Kindern entsprechend 248 Klassen und 30 Stunden Unterricht und einem durchschnittlichen Unterrichtsfaktor von 1,5 ergibt sich die Zahl von rd. 320 Vollzeitstellen für einen Jahrgang.
Unterrichtsstunden im Umfang dieser Stellenzahl müssen deshalb von den Gymnasien zu den Primarschulen umgeschichtet werden.
Wenn man zugrunde legt, dass ein Teil der Kolleginnen und Kollegen in Teilzeit tätig sind, muss man eher davon ausgehen, dass ca. 350 von ihnen betroffen sein werden.
Fehlt nicht nur die 5. Klasse am Gymnasium, sondern nach einem weiteren Jahr auch der 6. Jahrgang, verdoppelt sich diese Zahl auf 700.
Dass diese 700 an den Gymnasien nicht mehr benötigten Lehrerinnen und Lehrer nun alle mit ihrer vollen Stundenzahl zu den Primarschulen wechseln, ist völlig unrealistisch.
Wenn im Durchschnitt jede betroffene Lehrkraft mit einem Viertel ihrer Unterrichtsverpflichtung abgeordnet wird, so betrifft das Pendeln auch viermal so viele Lehrerinnen und -lehrer, also gemäß obiger Abschätzung 2800 Lehrkräfte für beide Jahrgänge 5 und 6.
Auf die Ebene der einzelnen Schule hinunter gebrochen, stellt sich die Abschätzung wie folgt dar:
Es fehlen einem Gymnasium vier 5. Klassen, also werden 4 x 30 = 120 Unterrichtsstunden oder rechnerisch fünf Lehrer weniger gebraucht. Die 120 Stunden werden jedoch nicht von fünf, sondern von viel mehr Kolleginnen und Kollegen durch Teilabordnungen erbracht. Betragen diese ein Viertel der Unterrichtsverpflichtung, so sind nicht fünf, sondern 20 von ca. 60 Lehrerinnen und Lehrern der Schule betroffen.
Auch das Pendeln von Gymnasiallehrkräften an die Stadtteilschulen (z. B. für die zweite Fremdsprache) wird die Anzahl der pendelnden Lehrkräfte noch einmal erhöhen.
Hinzu kommen die pendelnden Lehrkräfte an den Stadtteilschulen, wobei hier Voraussagen noch schwieriger sind, weil nicht abzusehen ist, wie sich die Schülerzahlen in Klasse 7 bis 10 entwickeln und ob hier die Bedarfe durch die fehlenden Klassen 5/6 teilweise ausgeglichen werden.
Hinzu kommt ein weiteres Problem:
Sollten die Maßnahmen der BSB zur Regulierung des Überganges so greifen wie geplant, werden auf Dauer 15 bis 20% weniger Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7 das Gymnasium besuchen. Hierdurch würde sich der Bedarf an Lehrkräften an den Gymnasien im Laufe der Jahre in entsprechendem Maße verringern.
Das würde noch einmal ca. 1000 Lehrkräfte betreffen, deren Unterricht dann nicht mehr am Gymnasium benötigt wird; bei Teilabordnungen eben entsprechend mehr.

Es kommt bei dieser Betrachtung nicht darauf an, ob die Zahlen bis auf die Kommastelle exakt sind. Selbst ein Abschlag von 30% würde nicht zu einer grundsätzlich anderen Einschätzung führen. Entscheidend ist, dass die Zahlen den Umfang der Pendel-Problematik deutlich machen:
Er ist so groß, dass er die Lehrkräfte unzumutbar belasten, den Unterricht durch die unvermeidliche Unruhe verschlechtern und die Bindung zwischen Schülern und Lehrern und die Identität mit der Schule erschweren wird.
Deshalb erhebt der Vorsitzende des DLH, Matthias Oehlrich, den Vorwurf:
„Die für die Primarschulreform notwendigen Personalumschichtungen sind von der BSB entweder nicht durchgerechnet worden, oder werden, wenn doch, dann mit Bedacht nicht veröffentlicht.
Hier zeigt sich also, wie in anderen Bereichen, z. B. der Raumfrage, auch, dass die Primarschulreform nicht auf ihre Konsequenzen hin überprüft wurde. Erst allmählich treten die Probleme aus dem Nebel der Reformeuphorie hervor, allerdings ist dies kein Verdienst der BSB.“

Der Vorstand des DLH, 13. 04. 2009



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