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Die öffentliche und die veröffentlichte Meinung

16.03.2009 –
Seitdem die so genannte ?Primarschulreform? in Hamburg hohe Wellen schlägt, ist in Hamburg ein merkwürdiges Phänomen zu konstatieren:
Wenn man mit Kolleginnen und Kollegen, mit Eltern, Schülern, Bildungspolitikern und Vertretern der Wirtschaftsverbände über die geplante Reform spricht, ergibt sich immer ein sehr durchwachsenes Bild: Es gibt einerseits diejenigen, die sich - mit mehr oder weniger umfangreichen Einschränkungen - für die Reform aussprechen und andererseits eine große Anzahl von Menschen, die sagen: ?Um Himmels willen, was stellt ihr bloß mit dem Hamburger Schulwesen an??
Uneingeschränkte Befürworter sind eine eher seltene Spezies. Sie tritt eigentlich nur als Patient bei Augenärzten in Erscheinung und die Diagnose lautet durchgehend ?Realitätsblindheit?.
Das Phänomen besteht nun darin, dass in der veröffentlichten Meinung ein ganz anderes Bild erscheint: Alle sind für die Reform, allenfalls ein paar kleine Mängel sind noch abzustellen.
Hier vier Beispiele für die Schönfärberei:
? Als die Protokolle der ersten Sitzung der regionalen Schulentwicklungskonferenzen ins Internet gestellt wurden und einen gar zu desolaten Eindruck hinterließen, verzichtete man, obwohl man ja ach so transparent und demokratisch ist, flugs auf die Veröffentlichung der weiteren Protokolle.
? Als der DLH anprangerte, dass die räumlichen Voraussetzungen für die Einrichtung der Primarschule nicht gegeben sind, wurde lediglich deren Glaubwürdigkeit bezweifelt; eigene Angaben zu dieser Thematik wurden jedoch nicht gemacht (obwohl die Statistik der BSB verwendet wurde) und das Problem nach außen konsequent ignoriert.
? Die beiden folgenden Punkte betreffen nur das ?Hamburger Abendblatt? und sollen keineswegs als generelle Medienschelte gelten, etwa nach dem Motto: ?Ich schmolle, weil man mich nicht ausreichend wahrnimmt!?
Aber muss man denn ignorieren, dass sich die 91 Grundschulrektoren für die Primarschule ausgesprochen haben, nachdem die Senatorin mit mehr Geld gewinkt hat und diese hingegen als mutige, nach vorn gewandte Streiter präsentieren? Die Bildzeitung vom 9. März 2009 kann es besser! Sie schreibt: ?Dabei könnte ein Großteil des Geldes (750.000 ?; Anm. der Red.) eingespart werden, wenn in erster Linie Gymnasial-Unterstufenkoordinatoren auf die neuen Posten gesetzt würden.?
Aber das sind ja nun gerade nicht die Schulleiter, die die Senatorin haben möchte.
? In eigener Sache: Unsere letzte Presseerklärung zu der Finanzierung oder besser der Nicht-Finanzierung der Reform angesichts der Haushaltslage der FHH nach den Hilfen für die HSH-Nordbank wurde vom ?Hamburger Abendblatt? schlicht ignoriert. Sie hätte nach den sorgenvollen Artikeln am 4. und 5. März über dieses Thema wohl zu schlecht, (eigentlich zu gut) gepasst. Auch hier wurde die Realität wieder ausgeblendet. ? Der entsprechende Artikel in der ?Welt? vom 5. 3. 2009 zu diesem Thema tat das gerade nicht!
Fragen wir also als guter Deutschlehrer: ?Was lernt uns das?? Das ist leicht gesagt, aber nicht ganz so leicht getan:
Wir dürfen uns also nicht auf eine ausgewogene Berichterstattung verlassen. Die mediale Einflussnahme von Senat, BSB, GEW, Elternkammer u. a. ist beträchtlich und will nur eines erreichen, nämlich, dass alles als wunderbar und im Konsens erscheint!
Wir müssen also selbst Netzwerke aufbauen, uns in bestehende Netzwerke (zum Beispiel wir-wollen-lernen.de) einbringen und in vielen Einzelgesprächen unsere Position darstellen. Wir vom DLH tun das und versuchen darüber hinaus, unseren Verband zu stärken.
Die Überschrift über diesen Artikel könnte deshalb auch lauten:
Machen Sie mit, hier und jetzt! Und kommen Sie zur Demonstration am 18. April.

Dieter Semprich





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